Gabriele von Törne, Tochter
entzündete diese Kerze am 29. Juni 2026 um 8.16 Uhr
Halbjahresgedächtnis
Eloge auf Hermann Blettgen
Hermann Blettgen
5. Oktober 1940 – 21. Dezember 2025
„Wenn du an mich denkst, erinnere dich an die Stunde, in welcher du mich am liebsten hattest.“
Lieber Papa,
es gibt Menschen, die hinterlassen Spuren. Und es gibt Menschen, die ein Zuhause hinterlassen – nicht aus Stein, sondern in den Herzen derer, die sie lieben. Du warst so ein Mensch.
Wenn ich an dich denke, sehe ich keinen einzelnen Augenblick. Ich sehe ein ganzes Leben voller gemeinsamer Erinnerungen. Du hast mit uns Baumhäuser gebaut, Äpfel von den Bäumen geschossen, Lagerfeuer entfacht und Würstchen darüber gegrillt. Wir waren schwimmen, angeln, Schlittschuh laufen und Fahrrad fahren. Wir haben Hühner gerupft, Schafe geschoren, verletzte Vögel großgezogen und bis tief in die Nacht Backgammon gespielt.
Du hast uns nicht nur das Leben gezeigt – du hast es mit uns gelebt.
Das Schönste daran war nicht, was wir gemacht haben. Es war, wie du warst. Auf jede Idee kam von dir fast immer dieselbe Antwort: „Klar, machen wir.“ Ein Nein schien es in deinem Wortschatz kaum zu geben. Du hast uns Zeit geschenkt – und Zeit ist das Kostbarste, was ein Mensch verschenken kann.
Du hast dich über jeden Besuch gefreut und warst traurig, wenn jemand wieder ging. Menschen waren dir wichtig. Du konntest zuhören. Du hast Dinge gesehen, die anderen entgingen. Du warst aufmerksam, klug und voller Wärme. Nie laut, nie verletzend. Du musstest niemals schreien, um gehört zu werden. Deine Autorität kam aus deiner Menschlichkeit.
Für dich gab es keine Ausgrenzung. Du warst ein freiheitsliebender Mensch und ein überzeugter Demokrat. Du hast jeden Menschen mit Respekt behandelt – unabhängig von Herkunft, Meinung oder Lebensweg. Solidarität war für dich kein großes Wort, sondern gelebter Alltag.
Du hast viel gearbeitet und dennoch nie vergessen, was wirklich zählt: deine Familie, deine Tiere, deine Freunde und die kleinen Momente des Glücks. Du warst immer da, wenn man dich brauchte. Nie aus Pflichtgefühl, sondern aus Liebe.
Und wenn das Leben dir einmal saure Zitronen schenkte, hast du daraus Limonade gemacht. Mit einer Gelassenheit und einem leisen Humor, die bewundernswert waren. Probleme hast du nicht dramatisiert. Du hast sie angeschaut, gelächelt und gesagt: „Da musst du drüberstehen.“
Diesen Satz höre ich noch heute.
Ich fahre dein Auto. Oft sitze ich am Steuer und denke daran, was du jetzt sagen würdest. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich innerlich mit dir spreche. Dann wird mir klar, dass du zwar nicht mehr neben mir sitzt – aber immer noch mitfährst. In meinen Gedanken. In meinen Entscheidungen. In den Werten, die du mir mitgegeben hast.
Du warst der klügste, wärmste, ehrlichste und liebste Vater, den sich ein Kind wünschen kann. Alles, was du getan hast, hast du ohne großes Aufheben getan. Gerade deshalb war es so groß.
Du hast uns gezeigt, dass Stärke nichts mit Lautstärke zu tun hat. Dass Liebe sich nicht in großen Worten zeigt, sondern in täglicher Fürsorge. Dass Freiheit und Mitmenschlichkeit zusammengehören. Und dass ein erfülltes Leben nicht davon abhängt, was man besitzt, sondern davon, wie man mit anderen Menschen umgeht.
Wer das Glück hatte, dich zu kennen, hat einen besonderen Menschen erlebt. Wer dich lieben durfte, wurde beschenkt.
Du fehlst uns jeden Tag.
Aber du bist nicht fort. Du lebst weiter – in unseren Erinnerungen, in unserem Lachen, in unseren Geschichten und in allem, was wir von dir gelernt haben.
Wir werden an dich denken. Nicht nur an eine Stunde.
Sondern an ein ganzes Leben voller Liebe.
Wir lieben dich. Für immer.